Böhmische und Sächsische Schweiz

Anfang Januar bin ich, mit einem Übernachtungsstopp kurz hinter Dresden auf einem Autohof, nach Tschechien eingereist. Ich wollte nämlich unbedingt tagsüber die Grenze überqueren, da ich mich im Vorfeld über die Mautsituation in der Republik informiert habe. Fahrzeuge über 3,5t benötigen eine Mautbox im Cockpit, diese ist auszuleihen gegen eine Gebühr an diversen Grenzstationen. Es wird dann ein Guthaben aufgeladen und so lassen sich durch automatisches Scannen der Mautbox alle kostenpflichtigen Straßen benutzen.
Das ganze Prozedere erschien mir aber dann doch zu kompliziert und ich habe mich kurzfristig entschieden, nur mautfreie Straßen zu benutzen. Die Grenzüberfahrt war ziemlich unspektakulär, allerdings wurde die Straßen nach Abfahrt von der Autobahn umgehend merklich schmaler und rauer. Die Straße führte durch enge Windungen einen Berg hinauf und als ich oben angekommen war, blickt ich plötzlich in ein nebliges Tal hinab. Sichtweite von deutlich unter 50m!

Also gut: Auf nach Tisá, einer kleinen Gemeinde in Tschechien am westlichen Rand der Böhmischen Schweiz in 584m Höhe. Bekannt ist dieser Ort vor allem durch das nördlich gelegene Sandsteinlabyrinth der Tyssaer Wände.
Der Wagen zu breit und die Sicht zu schlecht, abwärts ins Ungewisse. Zum Glück ist auf den Straßen nichts los und damit auch kaum Gegenverkehr. Unerwartet befinde ich mich in einem Ort, das Navi sagt, gleich habe ich mein Ziel erreicht. Ok. Die Orientierung fällt mir sehr schwer, weil die Suppe immer dichter wird. »Biegen sie links ab!« Wo? Welche Straße? Sieht das Navi mehr als ich? Den Weg da rein? Der ist doch gar nicht für Fahrzeuge gedacht, oder? Ich wende bei der nächsten Gelegenheit und schaue mir die Karte nochmal genauer an. Doch, da soll ich lang fahren. Also gut.
Ich schraube mich die Anhöhe hinauf, Sicht weiterhin sehr bescheiden. Mir fällt ein, dass unsere Hupe leider defekt ist. Ich wollte mich schon öfter darum kümmern. Bin aber noch nicht dazu gekommen. Jetzt wäre die Hupe eine echte Hilfe, denn dann könnte ich dem womöglich hinter der Kuppel entgegenkommendem Fahrzeug signalisieren, dass ich gerade im 1. Gang hinaufschleiche. »Scharf rechts abbiegen, dann haben sie ihr Ziel erreicht.« Rechts? Wo denn? In den Wald? Ich fahre rechts ran, Warnblinker an, Jacke, Mütze, festes Schuhwerk, Handy, Taschenmesser (man weiß ja nie) und steige aus.

Ein paar Meter hinter dem Fahrzeug geht tatsächlich ein Weg hinauf in den Wald. Unter den Ästen ist vermutlich weniger Platz als meine benötigten 3,20m. Ich gehe den Weg hinauf und erreiche eine kleine Lichtung. Dahinter ein verlassener Campingplatz. Okay, keine Chance. Park4night sagt zwar, hier könne man prima stehen, ich komme mit unserem Camper leider nichtmal bis zur Lichtung.
Also zurück auf die Straße, wenden und irgendwo im Ort einen Parkplatz suchen. Den finde ich dann auch zum Glück und mache mich nach einer kurzen Verschnaufpause auf den Fußweg zu dem Felslabyrinth.
Meine Eindrücke von diesen bemerkenswerten und beeindruckenden Steinen gibt dieses Video ganz gut wieder:

Da ich in Tisá auf dem Parkplatz nicht über Nacht bleiben möchte und es keine weiteren Optionen in diesem kleinen Ort gibt, fahre ich im Anschluss an meine Erkundungstour weiter in Richtung Hřensko. Die Fahrt dorthin ist ein weiteres Kleinabenteuer: Abenteuerlicher Straßen und karge Dörfer und Landschaften säumen meinen Weg. Es geht hinunter an die Elbe und ein ganzen Stück an dem Grenzfluss entlang, bis ich nach Herrnskretschen (Hřensko) komme und direkt rechts, in Richtung Mezní Luca abbiege. Dort soll es einen großen und asphaltierten Stellplatz geben.
Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht weiß und mir auch in den Nachrichten über den Sommer nicht im Gedächtnis geblieben ist: Ende Juli 2022 gab es hier einen der größten Waldbrände in der Geschichte Tschechiens! Der Brand wütete auf einer Fläche von über 1000 Hektar, mehrere Dörfer mussten evakuiert werden. Der Rauch war selbst im 130 km entfernten Prag noch zu riechen.
Mittlerweile hat die tschechische Polizei ermittelt, dass der Brand von Menschen ausgelöst wurde und eine konkrete Personengruppe im Visier. Bei den Ermittlungen halfen den Beamten vor allem Satellitenbilder.

Im Vorfeld hatte ich mich über einschlägige Webseiten der tschechischen Behörden und Tourismusverbände über die Einreisebestimmungen (Mautbox!) und die geltenden Drohnenverordnungen (Verboten im Nationalpark Böhmische Schweiz!) informiert. Dort fand ich jedoch kein Wort über die verheerenden Auswirkungen der Waldbrände.
Mit einem sehr mulmigen Gefühl in der Magengrube habe ich eine recht unentspannte Nacht auf dem besagten, einsamen Parkplatz verbracht. Immerhin gab es eine Straßenlaterne, die die ganze Nacht über leuchtete und einen Hauch von Zivilisation versprühte. Ansonsten habe ich nicht sonderlich gut geschlafen und bin dementsprechend früh am nächsten Morgen aufgebrochen.
Meine Wanderung führte mich über einen Wegweiser direkt in das Waldgebiet. Hätte ich doch nur den anderen, als offiziell gedachten Weg, in den Wald genommen. Dort (und nur dort!) wurde nämlich darauf hingewiesen, dass sämtliche Touriattraktionen, wie das Prebischtor, die Edmundsklamm oder die mit Kähnen befahrbare Kamnitzklamm gesperrt waren! Von den Absperrungen habe ich dann erst vor Ort erfahren. Zwangsläufig.

Seht hier meinen Vlog über die Wanderung durch ein abgesperrtes und erschreckend abgebranntes Waldgebiet in der Böhmischen Schweiz:

Am Ende konnte ich mir dann wenigstens noch das alte Steingebäude des Gaswerks aus dem Jahre 1905 in der engen Felsschlucht ansehen. Es diente früher der Herstellung von Acetylen-Leuchtgas und wurde aus Sicherheitsgründen direkt zwischen die Felswände gebaut. So wäre der Ort Hřensko bei einer Explosion weitestgehend unbeschadet geblieben. Heute befindet sich ein Restaurant in dem Gebäude.
Das hatte jedoch, wie so vieles in dem Ort, auch geschlossen.

Ich bin daher weiter gefahren, zurück nach Deutschland in die Sächsische Schweiz. Der Stellplatz Bergoase, nordöstlich von Bad Schandau ist ein idealer Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen. Bei Komoot finden sich wirklich viele Touren mit detaillierten Beschreibungen um diesen Teil des Elbsandsteingebirges in Sachsen zu erkunden.
Meine geplante Route musste ich aber leider wieder einmal vorzeitig abbrechen. Die Felssteine waren Aufgrund der Witterung einfach zu rutschig und die Steigungen zu extrem um sie alleine zu bezwingen. Ich hatte mich trotz meiner Höhenangst zwar schon sehr weit hoch gewagt, irgendwann gab es dann aber keinen regulären Weg mehr sondern nur noch Steigeisen und Griffe im Fels.

Per Handykamera konnte ich ein paar Eindrücke der eindrucksvollen Landschaft einfangen:

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