Die beliebteste Urlaubsregion Spaniens: Andalusien. Auf unserer Tour durch diese unfassbar abwechslungsreiche, vielfältige Region besuchen wir neben weißen Dörfern und wilden Schluchten, Menschen, die dem Mar del Plastico und dem touristischen Lifestyle Playa y Sol etwas entgegensetzen.

Die Costa Tropical

Von Murcia aus nehmen wir die Autovía de Mediterranéo an die Costa Tropical. Unterwegs staunen wir laut über die karstige Felslandschaft und sind begeistert von den tiefen Schluchten, atemberaubenden Ausblicken in die Weite dieser schönen Berglandschaft- mit dem Meer am Horizont. Mehr und mehr spüren wir das vergleichsweise mildere, tropische Klima der Costa Tropical, das hier auf Grund der „Schirmherrschaft“ der Sierra Nevada, im wahrsten Sinne, vorherrscht. Sie schirmt die kalten Inlandswinde Richtung Küste ab, und gleichzeitig gelangen die tropischen Winde Nordafrikas ungehindert an die Costa Tropical. In dem ausgeprägten subtropischen Mikroklima können daher ganzjährig Avocados, Datteln, Bananen, Mangos, und auch Tomaten, Paprika angebaut werden.

Mehr und mehr breitet sich vor uns aber auch ein anderes Meer aus: das Mar del Plastico in der Umgebung von Almería. Das Plastikmeer. Natürlich, war uns alles bekannt. Aus Studium, Allgemeinwissen, Umweltbewusstsein wissen wir, dass für uns Tomaten, Paprika & Co. nur saisonal auf den Tisch kommen. Wegen der gigantischen Foliengewächshäuser und ihren fatalen Folgen für Natur, Umwelt, Mensch. Nun es aber direkt zu sehen, mit diesem endlosen Ausmaß, hat uns dann doch schockiert, frustriert, wütend gemacht. Weiße Folien bis zum Horizont, soweit das Auge reicht. Schlimmer noch: Bis zum Meer, und ohne Übergang direkt angrenzend die „Bettenburgen“, Hotelhochhäuser bei Almería.
Kilometerweit fahren wir schweigend und fassungslos, auch mit Tränen in den Augen. Was tun wir dieser Landschaft hier an? Hochindustrielle Landwirtschaft und Massentourismus- mit unserem Konsum, auch wenn er schon bewusst, nachhaltig, regional, saisonal gestaltet ist, beuten wir diese Landschaft aus: die Natur, und den Menschen. Da sind sie wieder, die gesellschaftlichen, globalen wirtschaftlichen Verflechtungen, in denen wir mit unserer Verantwortung stecken.
Wir kommen in Castell de Ferro an, wo wir unseren Campingplatz beziehen.
Auch hier prägen die weißen Folien das Landschaftsbild bis an den Ortsrand.

Unter Planen | Traumorte & eine Seite, die dir niemand zeigt …・VLOG IV

Der Campingplatz ist einer der ältesten Spaniens und wie ein Botanischer Garten gestaltet. Sehr einfach, aber voller zwitschernder Vögel und blühender Pflanzen. Eine echte Bubble! Aber wir wollen raus aus der Bubble, und hinter die Kulissen schauen. Auch deswegen sind wir unterwegs, und wollen darüber berichten. Wo gibt es hier Gegenpole zur industriellen, konventionellen Landwirtschaft? Wo sind hier Menschen, die etwas bewegen, Alternativen zum vorherrschenden System bieten und leben? Bio-Produkte? SoLaWi? Zudem stellen wir fest, dass Bio-Produkte hier an der Costa Tropical extrem rar gesät sind: in den Lebensmittelläden gibt es sie nur in den sehr großen Supermärkten, auf den Wochenmärkten gar nicht und Bio-Läden gibt es hier in der Gegend keine. Wenn hier also Bio-Produkte angebaut werden, dann hauptsächlich für den Export. Also auch für uns. Und da ist sie wieder: unsere Verantwortung.

Finca Las Hespérides – Bio-Avocados direkt zu dir nach Deutschland!

Die Recherchetrommel wird gerührt und wir finden die Finca Las Hesperides. Marivi Aparicio und Alexander Wandel bauen Avocados in biologisch-dynamischer Landwirtschaft am Fuße der Sierra Nevada an, verwenden statt wertvollem Grundwasser das Schmelzwasser der Sierra Nevada und haben den Boden als Ganzes, als gesunden Organismus, im Focus ihrer Anbauweise. Nicht nur als „Grundlage“. Transparenz im Abosystem, direkt vom Baum zu uns nach Deutschland: das klingt spannend für uns, und wir brechen einige Tage später auf zum Filmbesuch.
Weil die verheerenden, andauernden Sturmtiefs seit November 2025 Unmengen an Regen auf die gesamte Iberische Halbinsel geschüttet haben (hier teilweise 80 l/m²), wurde die Zufahrt zur Finca von Marivi und Alexander weggespült. Mit unserem Wohnmobil und auch mit normalen PKW ist sie nicht mehr erreichbar. Die beiden holen uns ab und wir fahren im Geländewagen durch das Flussbett, dessen zwischenzeitig übergroßes Ausmaß anhand der abgelagerten Sedimentmengen und des in den Bäumen verfangenen Plastikmülls noch deutlich zu sehen ist. Es wäre eine aufregende, Adrenalingeschwängerte Adventuretour, wenn der Grund nicht so existenziell beklemmend und bitter wäre.

Auf 2 ha Land baut das Paar seit 2019 Avocados an, seit 2022 sind die Früchte Bio-zertifiziert. Ohne Pestizide, chemische Dünger, Monokultur und ohne die Verwendung des wertvollen Grundwassers wachsen hier die Avocados zwischen Zitronen-, Orangen- und Mangobäumen auf einem gesunden, lebendigen Boden. Alexander erklärt uns, wie schwierig es gerade hier in dieser Region mit kargen, flachgründigen Böden ist, eine nahrhafte Humusauflage als Grundlage für gesunde Früchte zu bekommen. Humusaufbau, organische Düngung und Mulchabdeckung zur Beschattung der Pflanzen sind hier wichtige Bestandteile des Anbaus. Und obendrein klimaschonend noch dazu!

Die Vermarktung der Avocados steckt im Namen der Website: www.abocados.de und ist so einfach wie genial: du schließt ein Abo über die gewünschte Kilomenge ab und bekommst ab Beginn der Ernte im November bis Ende der Ernte im März monatlich eine Kiste Avocados. Die Früchte sind bei der Ernte noch nicht reif. Sie werden vom Baum direkt zu dir innerhalb von 5 Tagen geliefert und benötigen noch weitere Tage bis sie reif sind. So hast du über 5 Monate hinweg immer Avocados bei dir zu Hause!
Obendrein kannst du hier Urlaub machen. Das Ferienhaus bietet dir Erholung und Wandermöglichkeiten in einzigartiger Lage zwischen Granada (35 km) und Meer (14 km).

Neugierig geworden? Schau rein in unser Video!

Jeder der folgenden Abo-Pläne beträgt eine monatliche Lieferung. Im Abo-Preis sind die Lieferungskosten mitberücksichtigt.
 
Geerntet wird direkt vom Baum auf Bestellung. Die Avocados sind dann nach fünf Tagen bei Dir zuhause.

Keine Sorge, sie reifen unterschiedlich nacheinander. Im Kühlschrank sind sie bis zu 3 Wochen haltbar. 1 kg sind 5 bis 6 Avocadofrüchte.

Granada

Natürlich gehört ein Besuch der Stadt Granada dazu, wenn man an der Costa Tropical ist. Als wir Anfang März nach Granada fahren, liegen die Tagestemperaturen hier oben bei kühlen 10 °C, und zu Regen und starkem Wind gesellt sich die „Calima“, der Saharastaub, der sich über die Berge Andalusiens legte. Die Berge sind verhüllt und wir können zwar ihre majestätische Kraft erahnen, aber nicht erfahren. Das schränkt unser Landschaftserlebnis und unsere Entdeckungsfreude ein, und wir beschließ daraufhin, Granada vorerst nur als Tagestrip zu besuchen. Stattdessen werden wir die Route ändern und im Mai durch die Berglandschaft Andalusiens zurück nach Deutschland reisen. Also: Fortsetzung folgt!

Die Hauptstadt Andalusiens ist für einen Tagesausflug eigentlich zu schade. Die Stadt, die Alhambra und die Wandermöglichkeiten in der Sierra Nevada bieten natürlich ein Entdeckungsprogramm für mehrere Tage.

Aber natürlich geht Schnuppern immer: Wir haben uns einfach mal durch die Altstadt treiben lassen und obwohl es hier für Reisende das internationale gastronomische Angebot und viele Souvenirläden gibt, die gefühlt alle die gleichen Waren verkaufen, so hat sich Granada ihre Authentizität doch gut bewahrt.

Die Kathedrale von Granada ist das Herzstück der Altstadt und von hier aus lässt es sich wunderbar durch die Gassen schlendern. In der nahegelegenen Calle de la Alcaiceria verzaubert uns der Arabische Markt mit Kunsthandwerk, bunten Lampen, Tuchwaren, Keramik und vielem mehr. Der ursprüngliche Seiden- und Gewürzmarkt ist zwar bei einem Brand 1843 zerstört worden, aber das Labyrinth aus engen Gassen ist noch deutlich zu erleben.

Der Weg hoch zur Alhambra ist fußläufig von der Kathedrale aus in ca. 10 Minuten mühelos machbar. Auch wenn du nicht zwei Wochen im voraus Tickets buchen konntest, lohnt sich ein Spaziergang hierauf. Allein die parkähnlichen Außenanlagen versprühen die einzigartige Atmosphäre dieses Palastes. Und sie machen uns natürlich auch neugierig auf das, was drinnen zu sehen ist! Bei guter Sicht hast du von hier oben eine grandiose Sicht auf die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada.

Tipp

Eine wunderschöne Strecke, um von Motril aus nach Granada zu fahren, führt über die N-323. Sie führt dich entlang des Rio Guadalfeo, der sich gerade im südlichen Teil der Strecke tief als Canyon in die Landschaft gegraben hat.

Empfehlenswert ist ein Besuch des Olivenölmuseums ca. 3 km südlich von Vélez de Benaudalla, das direkt an der N-323 liegt. Hier bekommst du sehr gute, verschiedene Bio-Olivenöle aus der Region.

Weiter geht’s auf dieser Route, bis sie nördlich des Stausees Embalse de Rules bei Izbor auf die A 44 führt.

Lanjarón

Auf unseren Fahrten zur Finca Las Hesprérides, aber auch nach Granada, haben wir uns heimlich in die Alpujarra, dem südlichen Vorgebirge der Sierra Nevada, verliebt. Die Schluchten, die steilen und mit Nickendem Sauerklee gelb blühenden Hänge, die blühenden Mandelbäume, diese Weite- hier wird unsere Neugierde geweckt! Auf der Suche nach entdeckungsreichen Wanderwegen stoßen wir auf den Kurort Lanjarón, dem „Tor zur Alpujarra“. Ein Kurort in Spanien! Für uns Neuland. Los geht’s!

Wie in vielen europäischen Kurorten ist auch in Lanjarón der Geist aus vergangenen Kurzeiten, in denen gut betuchte Erholungssuchende durch den Kurpark wandelten, deutlich zu spüren und anhand der teilweise verfallenden Bäderarchitektur zu sehen. Und dennoch gibt doch gerade das den Charme eines solchen Ortes wieder. Eine gewisse Patina eben. Und auch heute noch zeugen die neu gebauten Hotels davon, dass hier der innenspanische Kurtourismus nach wie vor im Gange ist.
Die glückliche geografische Lage Lanjaróns an den mineralreichen geologischen Störungsstellen der Alpujarras im Quellgebiet mehrerer Flüsse und Heilquellen, die Nähe zur Costa Tropical (ca. 40 km) und zum kulturtouristischen Epizentrum Granada (ca. 50 km) beschert dem Ort ein vielseitiges touristisches Potenzial: Hier kannst du wunderbar wandern, im Thermalbad im Heilwasser baden und die verschiedenen Heilwässer als Trinkkuren genießen. Es gibt Souvenirläden, Cafés und Restaurants.

Das besondere an Lanjarón: der Ort liegt im Quellgebiet mehrerer Flüsse, sowie von 7 Heil- und Mineralquellen. Davon werden sechs als eisenhaltige Trinkwasserkuren genutzt, und eine als Thermalquelle, in deren Wasser du im Balnerario de Lanjarón, dem ortsansässigen Thermalbad, entspannen kannst. Die Quellen wurden im Jahr 1765 entdeckt, was Lanjarón schnell überregional bekannt machte.
Wasser ist Thema in Lanjarón, und wenn du von der Touristeninformation in der Avenida de Madrid aus die Hauptstraße durch den Ort gehst (Avenida de Alpujarra – Calle Real – Plaza de la Constitución – Calle Señor de la Expiración), kommst du an den vielen Trinkwasserbrunnen vorbei, aus denen du nach Herzenslust das frische Quellwasser genießen kannst.
Das Mineralwasser „Lanjarón“ wird in ganz Spanien in den Supermärkten verkauft. Jedoch gefährden die industrielle Nutzung der Quellen und die sich weiter ausbreitende Infrastrukur für die Vermarktung die umliegenden Quellen, die die Dörfer im Einzugsgebiet mit Trinkwasser versorgen. Viele Locals nennen das Wasser deshalb aus Protest „Ladrón“: Dieb.

Baden

Auch wenn du kein Kurgast bist, kannst du im Thermalbad einen Slot buchen. Das
Balnerario de Lanjarón ist keine Therme im klassischen Sinne, sondern bietet dir das Baden als konkrete Anwendung an. Heißt: du buchst einen Zeitraum für 60 Minuten und bist mit max. 6 Menschen in den verschiedenen Becken, trinkst die unterschiedlich schmeckenden Trinkkuren, ein Dampfbad, eine Sauna gibt es auch. Wirklich beeindruckend!

Wandern

Große Teile des Gemeindegebiets liegen im Nationalpark Sierra Nevada auf 660 m. Die Alpujarra bietet als vorgelagertes und nicht weniger beeindruckendes Gebirge eine Vielzahl an Wandermöglichkeiten und somit ist Lanjarón bestens dafür geeignet, sich diese Landschaft zu „erwandern“. Besonders im Frühjahr lädt die Alpujarra zum Wandern ein, wenn sich die Blüten des Nickenden Sauerklee, der Mandel- und Obstbäume wie ein bunter Teppich über die Landschaft legen!
Wir entscheiden uns für den Wanderweg Sendero Acequias del Aceituno y Cecarta, der direkt in Lanjarón startet und auf 6,1 km eine enorme Vielfalt an Landschaftserlebnissen bietet: atemberaubende Aussichten, historische Bewässerungskanäle, Wasserfälle, schluchtenartige Flusslandschaft. Der Weg ist nicht ausreichend ausgeschildert, daher haben wir Komoot für die Orientierung hinzugenommen. Auf der Website des Tourismusbüros findest du ebenfalls eine Übersicht über die Wanderwege rund um Lanjerón.

Länge: 6,1 km
Dauer: 2 h

Nerja

Es zieht uns weiter westlich, und wir fahren durch Nerja. Eine Höhle, ein weißes Dorf in der Nähe, ein Campingplatz im Grünen- für uns Grund genug, nach bereits 60 km wieder Station zu machen!
Ursprünglich war Nerja eines der kleinen Fischerorte an der Costa Tropical, die Leute lebten von Landwirtschaft und Fischerei. Mittlerweile ist es ein lebhafter, touristischer Küstenort mit allem, was das Urlauberherz begehrt. Der Ort scheint touristisch gesehen fest in britischer Hand: besonders die Dichte der Irish Pubs hat uns enorm beeindruckt …
Die belebten Straßen des Zentrums sind gesäumt von Souvenirläden, Bars, Restaurants und Cafés. Anziehungspunkt im Ort ist der Balcon de Europa auf der gleichnamigen Plaza, von wo aus du einen tollen Ausblick auf das Meer und die westliche und östliche hast. Von hier aus lohnt es sich, die Treppen hinunter zu den kleinen Stränden Playa Calahonda, Playa El Salón, und Playa El Chorillo zu gehen. Im Frühjahr herrscht hier eine unaufgeregte Atmosphäre, im Sommer wird es sicherlich etwas eng. Wenn es dir an den Stränden der Buchten zu voll ist, findest du auf der westlichen Küstenseite mit dem Playa El Playazo einen wettausgedehnten, kilometerlangen feinen Kieselstrand, an dem sporadisch ebenfalls kleine Restaurants angesiedelt sind.
Vom Balcon de Europa führt dich in östliche Richtung die Calle Hernando de Carabeo. Die schmale Gasse ist der eher ruhige Teil des historischen Viertels und führt dich zu den reizvollen Stränden Playa Carabeillo und Playa de Burriana.

Wenn du in Nerja bist, lohnt sich ein Besuch der Cueva de Nerja. Dieses verästelte Höhlensystem umfasst insgesamt fast 5 km Länge und zählt zu den größten Andalusiens. Die Route zum Entdecken der Höhle hat eine Gesamtlänge von 546 Metern. Die 458 Treppenstufen machen einen inklusiven oder kinderwagentauglichen Besuch leider nicht möglich. Besonders die bis zu 60 m hohen Säle, in denen die Stalagmiten und Stalaktiten ihre kunstvollen Tropfgebilde entstehen lassen, haben uns beeindruckt. Es gibt derer verschiedene: z.B. den „Saal des Balletts oder des Wasserfalls“, aber auch den „Saal der Geister“, und diese Namensgebung haben wir sofort verstanden: die Stalaktiten und Stalagmiten werfen teilweise unheimliche Schatten an die Wand- Gruseln vorprogrammiert!

Als die Höhle im Jahr 1959 von 5 Jungen aus Nerja entdeckt wurde, war dies der Beginn einer grundlegenden kulturellen und strukturellen Veränderung für das Fischerdorf. Von nun an entwickelte sich Nerja zu einem touristischen Anziehungspunkt an der Costa del Sol.

Nerja lädt aber auch zu Entdeckungen in die Umgebung ein. Schließlich gibt es über die Wanderwege oberhalb in den Bergen immer wieder fantastische Ausblicke auf die Küste und das Meer, und mit Frigiliana liegt in 7 km Entfernung eines der weißes Dörfer ganz in der Nähe.

Lies dazu passend auch meinen Tagebucheintrag:

Frigiliana

Die weißen Dörfer zählen zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Andalusiens. Wie weiße Flecken liegen sie malerisch auf den Hügeln, umgeben von Olivenbäumen, Mandelbäumen, Avocados und der atemberaubenden Berglandschaft. Frigiliana zählt zweifelsfrei zu den frequentierteren weißen Dörfern, was an der Nähe zu Nerja und zur Küste liegt. Und trotzdem hat es uns mit seinem Charme der engen Gässchen, der detailverliebten Pflanzendekoration der Locals und einem ganz besonderen Geschichtenerzähler-Duo im Nu erobert. Nicht zuletzt die vielfältigen Wandermöglichkeiten laden also zu einem oder mehrere Besuche in dieses Dörfchen ein.
Gleichzeitig ist das Barribarto, das historische Viertel, im maurischen Mudéjar-Stil erbaut und gehört zu den am besten erhaltenen in der Provinz Málaga. Hier zeigt sich die volkstümliche Architektur mit der verschachtelten Bauweise, der äußeren Einfachheit und den Häuserblocks, die durch die gewundenen Straßen miteinander verbunden sind. Mehrfach erhielt Frigiliana die Auszeichnung „Schönstes Dorf Andalusiens“

Es verkehren fast stündlich Busse zwischen Nerja und Frigiliana, so dass eine autofreie Anreise überhaupt kein Problem ist. Allerdings war es für uns erstmal schwierig, die Fahrzeiten zu ermitteln. Der klassische Weg ins Tourismusbüro in Nerja war leider auch nicht erfolgreich, da uns dort ein schief gedruckter Zettel mit nicht aktuellen Fahrzeiten gereicht wurde. Wir haben dann über das Internet die Zeiten herausbekommen, und lustigerweise hing am Busterminal in Nerja in der Avenida de la Ciudad de Pescia dieser Zettel mit den Fahrzeiten an der Straßenlaterne.

Der Bus hält direkt am Plaza del Ingenio, unübersehbar das Zentrum des Ortes. Direkt beim Ausstieg aus dem Bus steht ein Puppenspiel hinter Glas. Wirfst du 2 € hinein, erfährst du vom maurischen Geschichtenerzähler und seinem gesprächslustigen Plapper-Papagei erste Kuriositäten über Frigiliana. Sehr erheiternd! Uns macht es auch neugierig, den Ort zu erkunden und so ziehen wir los.
Sofort fallen uns die hübsch bemalten, großen Wandfliesen auf, die sich, in der Calle Real beginnend, entlang der Hauptader durch das Barribarto ziehen. Die Bilder erzählen die Geschehnisse und Zustände rund um die Schlacht vom Peñon im Jahr 1569. Zwei Jahre zuvor erließ Inquisitor Pedro de Deza ein Dekret, das es den Mauren verbot, ihre Sprache zu sprechen und zu schreiben, ihre eigene Kleidung zu tragen, Bräuche zu pflegen und Waffen zu tragen. Es entbrannte daraufhin eine Rebellion der maurischen Bevölkerung, die in der blutigen Schlacht vom Peñon endete. Die Mauren wurden aus der Stadt vertrieben, die Christen feierten ihren Sieg.
Die Wandtafeln schmücken deinen Gang durch die vielen Gassen. Währenddessen betören die hübschen Hauseingänge, Winkel und Balkone mit ihrem floralen Flair.

Wandern

Direkt an der östlichen Dorfgrenze, unweit der Plaza del Ingenio, zieht sich die Schlucht des Río Higuerón, der in Nerja ins Meer mündet. Unsere Entdecker- und Wanderlust ist sofort geschürt und wir beschließen, am nächsten Tag erneut nach Frigiliana zu fahren, um von dort aus auf dem Lomas del Chillar diese atemberaubende Landschaft zu entdecken.

Dieser Wanderweg ist auf seinen 5 km Länge mit ca. 2,5 Stunden Dauer sehr abwechslungsreich: er führt dich entlang des breiten Flussbettes mit kristallklarem Wasser, vorbei an einem historischen, maurischen Wasserbecken, das zum alten Bewässerungssystem gehörte, hoch auf den Grat mit einer fantastischen Aussicht auf das Meer und Frigiliana, um dich dann wieder entlang des Flussbettes zurück zum Ort zu führen. Zwischendurch überquerst du immer mal wieder das Flussbett: echte Stunts vorprogrammiert! Diese Route findest du auf der Website des Tourismusbüros, aber auch bei Komoot.

Länge: 5 km
Dauer: 2,5 h

Fahrplan Nerja - Frigiliana
Diesen Zettel bekommt man auch im Tourismusbüro in Frigiliana, aber sinniger wäre er natürlich im Büro in Nerja …

Dunas de Artola: Ruheraum für Flora und Fauna an der Costa del Sol

In der Zwischenzeit hat sich die Großwetterlage auf der Iberischen Halbinsel wieder etwas beruhigt, so dass wir Ende März beschließen, die Algarve als nächste Großregion anzusteuern. Es zieht uns daher weiter die Costa del Sol entlang in Richtung Westen. Die Küste zwischen Málaga und Marbella ist ein einziges touristisches Konglomerat, bekannt für Luxustourismus, Glamour und Jet-Set. Naturbelassene Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen direkt an der Küste sind hier nicht zu finden. DOCH: zusammen mit der östlich gelegenen Duna de Calahonda sind die Dunas de Artola mit ihrer Dünenlandschaft schon eine echte Seltenheit und Perle der Natur! Und zum Glück geschützt. Vom Parkplatz in Cabopino, der nur ca. 50 m vom Strand entfernt liegt, führen Holzstege durch die Dünen. Wirklich ein tolles Erlebnis! Die Holzstege führen in regelmäßigen Abständen zum feinen Sandstrand, der sich über fast 2 km entlang der Dünen erstreckt. Einst erstreckte sich das Dünengebiet auf über 20 km Länge bis nach Marbella. Heute sind es noch gute 19,2 ha, die das Schutzgebiet umfasst.

Hier wachsen der Gewöhnliche Strandhafer und Stranddistel, aber auch Dünen-Trichternarzisse und Wacholder. Sie haben sich an die starke Sonneneinstrahlung, Trockenheit und den ständigen Wind angepasst. Sie meistern hier hervorragend ihr Überleben und schenken uns dieses schöne Naturerlebnis.
Die Winde haben aber noch etwas anderes hervorgebracht: Die Dünen selbst! Starke Nordost-Winde und die Küstenströmungen bringen seit geraumer Zeit große Sandmengen an die Strände. Perfekt für unser Strandfeeling!

Kommst du vom Parkplatz aus zu den Dünen, fällt dir ein Turm ins Auge: Hier wacht der Torre de los Ladrones, der „Turm der Diebe“. Er stammt aus römischer Zeit, und wurde von den Arabern, später von den Christen, verändert und restauriert. Der Name meint die Schießscharten, die auch „Ladroneras“ (Diebeshöhlen) genannt wurden.
Diebesturm und Stranddünen, das ist schon ein einzigartiger Anblick hier an der Küste!

Andalusien | Rettung in letzter Sekunde・VLOG V
** Das Video erscheint am 5. April um 9 Uhr **

Donkey Dreamland – Eine Rettungsstation für Esel

Weil wir im glamourösen Jet-Set nicht mitschwimmen und wir ja lieber hinter die Kulisse und nach Schätzen am Wegesrand schauen, schmeißen wir mal wieder die Recherchetrommel an. Ich bin eine große Esel-Freundin und suche nach Eselwanderungen in der Nähe von Málaga. Und mit Donkey Dreamland stoße ich auf ein großartiges Projekt: Esel aus nicht artgerechter Haltung, die Misshandlungen, viel zu enge Ställe und damit viel Leid erfahren mussten, werden hier gesund gepflegt und liebevoll betreut. Mit einer achtsamen und respektvollen Haltung bauen die ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeitenden Vertrauen und Bindung zu den mittlerweile 23 Eseln auf. Mit den Eseln, die einen Umgang mit Menschen zulassen und bereits wieder Zutrauen gefasst haben, werden Eselwanderungen, Eselbesuche und Events angeboten.

Weil die Eselwanderungen allesamt während unserer Aufenthaltstage ausgebucht sind, buchen wir einen 1,5-stündigen Besuch und fahren in die Bergregion nördlich von Laguna de Mijas.

Schon allein das steile, weitläufige Gelände ist wie geschaffen für die Esel. Alles ist liebevoll und kreativ eingerichtet. Während unseres Besuchs, bei dem wir Kontakt mit den Esel aufbauen, sie striegeln und streichen dürfen, erfahren wir, mit welchen Krankheiten, seelischen und körperlichen Verletzungen sie hierherkommen. Wir erfahren viel über ihr Wesen, und können sofort sehen, wie gut es ihnen hier in ihrem neuen Zuhause geht. Hier bekommen sie ihre Würde, ihr Leben, ihre Gesundheit zurück.

Wie unser Besuch aussah? Schau rein in unser Video!

Buche das Komplettpaket und erhalte wertvolle Tipps zum richtigen Umgang Eseln, bevor du mit ihnen in den Hügeln hinter La Cala de Mijas spazieren gehst.

Auf dem Pfad der Mönche: Wilder Wasser-Wanderweg zur Einsiedlerkapelle

Wasser ist Leben und immer, wenn Wasser in der Nähe ist, muss ich da hin. Mit den Füßen rein, ans Ufer setzen, die Stimmung aufnehmen. Jetzt, im Frühjahr 2026, führen die Flüsse und Bäche auf Grund der ungewöhnlich lange anhaltenden und über die Maßen anfallenden Regenfälle besonders viel Wasser.

Das Gute daran ist: die Lebensadern füllen sich mit Leben und versorgen Pflanzen, Tiere, und uns Menschen mit dem kostbaren Gut. Die Wanderung entlang des Rio Higuerón in Frigiliana (s.o.) war im wahrsten so berauschend für uns, dass wir wieder nach einer Wanderung entlang eines Fließgewässers machen wollen. Kurz und knackig soll sie sein, wie haben nicht mehr viel Zeit an diesem Tag.

Und wir finden und empfehlen diese:

Senda Los Monjes

Der Wanderweg führt entlang des Flusses Arroyo Guadalpín durch einen dichten, wunderschönen Pinien-Mischwald. In zauberhaften Kaskaden und kleinen Wasserfällen bahnt sich das kristallklare Wasser aus der Sierra Blanca an die nördliche Stadtgrenze von Marbella. Wilder Oleander, Salbei, Rosmarin, und El Palmito, die einzige einheimische Palmenart der Iberischen Halbinsel säumen den 2 km langen Weg der Mönche hoch zur Ermita de los Monjes. Hier kraxelst du, überquerst mehrmals das über Stock und Stein das Flussbett und bleibst immer wieder an dem sprudelnden, lebendigen Wasser stehen. Gelb-weiße Wegweiser zeigen dir auch ohne App den Weg, so hast du beide Hände frei!
Oben angekommen, hast du eine fantastische Aussicht nach Marbella und über die Berge. Die Ruinen zeugen von der kleinen Kapelle aus dem 16. Jahrhundert, wo Franziskanermönche Buße getan, und sogar auch das Nötigste angebaut haben. Du kannst von hier aus verschiedene, andere Wanderwege als Rundwege nutzen, und z.B. nach Marbella weiter wandern. Wir entscheiden uns, diesen schönen Weg entlang des Wassers wieder hinunter zu wandern und sehen so vieles, was wir auf dem Hinweg nicht gesehen hatten.

Länge: 4 km
Dauer: 2 h

Ronda

In einem Satz: Die Schlucht von Ronda ist spektakulär. Auch die Anfahrt von Marbella aus durch die Berge des Nationalparks Sierra de las Nieves ist ein Landschaftserlebnis.
La Ciudad, die maurisch geprägte Altstadt, liegt auf einem gigantischen Felsplateau, und die fast 100 m tiefe Schlucht Tajo de Ronda des Flusses Rio Guadalevín machen diesen Ort an sich magisch. Für einen Tagesbesuch haben wir folgende Empfehlung für dich:

Vom Parkplatz Parking Publico in der Calle del Prado Nuevo (kostenfrei, Stand März 2026) gehst du wenige Meter die Straße hoch, bis auf der linken Seite eine Treppe hoch zur Calle Cuesta de las Imagenes führt. Dieser folgst du, bis linker Hand ein kleiner Weg mit Hinweisschildern, u.a. zu den Arabischen Bädern und zur Puente Viejo, hinunter führt.

Ein wunderschöner Weg entlang der Felsen, die hier beeindruckend heraufragen, und in die Landschaft noch dazu. Auch ein Abstecher in die Arabischen Bäder lohnt sich, bevor du weiter zur Puente Viejo gelangst. Diese ist sehr beeindruckend. Es scheint ein Holzstege-Weg im Bau entlang der Schluchtenfelsen, vielleicht ist er bereits fertig?

Nun schlängelst du dich durch die Gässchen am Palacio De Salvatierra vorbei und gelangst schließlich auf die Calle Armiñan, auf der rechter Hand die berühmte Puente Nuevo, die Neue Brücke, liegt. Sie trennt die Altstadt von dem jüngeren Stadtteil El Mercadillo.
Der Blick hinunter in die Schlucht ist schwindelerregend! Einen tollen Blick auf die Schlucht und die Bogenbrücke hast du, wenn du von der Calle Armañan in die Calle Tenorio einbiegst. Sie führt dich zum Mirador La Hoya del Tajo, von wo aus ein kleiner Pfad hinunter zum Mirador del Puente Nuevo und noch weiter runter schließlich zum Mirador del viento. Hier stehst du als kleiner Mensch vor einer großartigen, gigantischen Felswand und schaust auf ein Meisterwerk von Bogenbrücke aus dem18. Jahrhundert, unter der ein tosender Wasserfall das Schauspiel perfekt macht.

Tipp

Wir haben Ronda zum Nachmittag besucht und waren zur Abendstimmung unten in der Schlucht. Die Beleuchtung gibt diesem Ort wirklich Magie. Vom unteren Teil, dem Mirador del viento, führt ein Trampelpfad zu einem kleinen Schotterplatz. Von hier aus führt dich die alte Kopfsteinpflasterstraße entlang der Felsen zurück zum Parkplatz Parking Publico.

Charlotte liebt Geschichten. Besonders solche, die eine Landschaft erzählt. Als Geografin entdeckt sie die Natur- & Kulturgeschichte einer Region, als Naturpädagogin ist es ihre Leidenschaft, Menschen dafür zu begeistern, zu sensibilisieren und zu bilden. Viele Jahre in der Umwelt- & Erwachsenenbildung sowie bei einem Reiseveranstalter für Fachgruppen-Reisen haben ihre Neugierde auf Neues, Kurioses & Regionaltypisches geschürt.

Beitrag erstellt:
Beitrag aktualisiert:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner