Jeden Tag aufs Neue lerne ich viel und gerne. Am liebsten von der Natur, denn ich bin viel und gerne draußen. Sobald ich in der Natur bin, oder sagen wir, draußen, erfahre ich oft erst, wie es mir geht, denn dass die Natur ein Spiegel unseres Selbst ist, ist ja kein Geheimnis. Die bergige Landschaft in Südostspanien ist karg, und bis auf einige Pinienhaine mit starren, borstigen Büschen gut vor Erosion geschützt. Sie hat etwas wüstenartiges für mich als Mitteleuropäerin, und die Weite der grandiosen, baumlosen Berglandschaften macht mich neugierig. Sie schärft meinen Sinn für die Ferne und ständig lasse ich den Blick seufzend schweifen. Die schmalen Wege, oft nur Trampelpfade, erfordern aber gleichzeitig auch kurzsichtige Achtsamkeit, denn sie sind steinig, steil und wegen der borstigen Büsche eben auch kratzig. Also Arme hoch und im Gänsemarsch weiter. Meine Güte, wie sehr sich diese Büsche wehren! Und das ist gut so: Nein sagen, Grenzen setzen und Abstand gewinnen: wo mache ich das so für mich? Also so ganz selbstverständlich, wie diese borstigen Büsche? Meine Bewunderung für sie wächst, als die 80 km/h Böen zunehmen und ich mich intuitiv klein mache, um nicht umgepustet zu werden: bei denen passiert einfach gar nix. Die bleiben einfach so, da wackelt nichts, die lassen nicht an sich rumzerren- Pöh, soll doch die Böe böen. Wie standhaft! Klare Ansage!
Was aber auch eine richtig geniale Idee ist: einfach mitgehen mit der Böe. Elastisch bleiben und Spaß dabei! Wie der Nickende Sauerklee. Mit seinen knallgelben Blüten hat er sich schön auf Fußhöhe und rasenartig in der spanischen Landschaft breit gemacht und lacht sich bei jeder noch so starken Böe eins. Im Ernst, schaut man diesen lustigen, gelben Blüten beim Windspiel zu, liegt der Name glasklar auf der Hand: sie nicken auf ihren recht dick-fleischigen Stängeln auf und ab und biegen sich dabei krumm und schief. Während mich dieser ständige Wind ziemlich nervt, Gegenwind mich gar fast aggressiv macht, sollte ich vom Nickenden Sauerklee doch sehr viel lernen. Annehmen das, was da ist. Ja sagen zu Widerständen, Widersachern, Umständen, Herausforderungen. Und schon wird das Leben leichter.
siehe auch „Windig, windig!“





