Bis zum Horizont und noch weiter liegen die unendlichen Berglandschaften vor uns. Als wären sie von der senfgelben Sonne dahin gegossen worden. Sie taucht diese Welt in eine sehnsuchtsvolle Weite, die neugierig macht. Die uns zu entdecken scheint, und wie wahr: wir waren noch hier und fragen uns, warum.
Eigentlich müssten wir nur dem Rio Tejo bzw. Rio Tajo folgen, und gegen Ende dem Rio Ebro, um die Iberische Halbinsel einmal von West nach Ost zu durchqueren. Aber zum Glück sind die Ufer der beiden großen Ströme nicht ausgebaut, und so dienen sie uns allenfalls als grobe Richtschnur. Es ist ihr unermüdliches, erosives Wirken, die uns solch faszinierende Flusslandschaften wie jene bei Toledo oder den Naturpark Alto Tajo erleben lassen. In den schroffen, rauhen Felslandschaften Aragóns mit seinen unfassbaren, weiten Ausblicken spüren wir Neugierde und Demut. Aber eins nach dem anderen.
Von West nach Ost

Mérida
In Mérida brauchst du keine Toga, um dich direkt in die römische Zeit um 25 v.Chr. zurück zu fühlen. Augusta Emerita wurde die Siedlung genannt und diente damals als Kolonie für Veteranen des römischen Heers. Mit ihrer überschaubaren Größe von ca. 60.000 Einwohnenden zeigt sie in ihrer kleinen historischen Altstadt ihre Schätze.
Aber es fängt schon vorher an: vom Stellplatz aus führt ein schöner Fußweg auf 1,5 km durch den Park am Rio Guadiana entlang bis zur Puente Romano (Römische Brücke). Mit ihren 721 Metern gilt sie als längste erhaltene Brücke aus der Antike und ist somit zurecht im Jahr 1993 zusammen mit den anderen archäologischen Stätten in Mérida zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt worden.
Über die lebendige Plaza de España geht es weiter zum Templo de Diana. Es ist schon kurios, durch die typischen spanischen Altstadtgassen zu schlendern und dann plötzlich auf einen römischen Tempel zu stoßen. Ursprünglich befand sich hier das zentrale Forum Méridas und als religiöser Kulttempel war er repräsentativ. Historiker benannten die religiöse Stätte nach der Göttin Diana, jedoch vermutet man auf Grundlage archäologischer Ausgrabungen, dass hier ein kaiserlicher Kult betrieben wurde. Der Tempel ist außergewöhnlich gut erhalten, wohl weil er als Fundament für den Renaissance-Palast des Grafen von Corbos diente, und das macht heute seinen römischen Charme aus.
Um zum Römischen Theater und zum Amphitheater zu gelangen, genügt ein Blick auf das Straßenpflaster, in welchem in regelmäßigen Abständen „Augusta Emerita“ zu lesen ist. Diese Zeichen führen zu den weiteren beiden Highlights. Im Amphiteater kannst du durch die Gänge gehen, auf den alten, noch erhaltenen großen Pflastersteinen an Zypressen vorbei wandeln und in den gebogenen Sitzreihen die Szenerie aus der römischen Zeit bildhaft sprudeln lassen. Sowohl hier, als auch im Römischen Theater finden nach wie vor Konzerte und Theateraufführungen statt.
Am Stadtrand sind ebenfalls der Römische Zirkus und ein Aquädukt zu bewundern.
Toledo
Schon von weitem ist es sichtbar: Toledo ist eine Stadt, in der Christen, Muslime und Juden über Jahrhunderte sichtbar ihre Spuren hinterlassen haben. Auf so engem Raum frühe, historische religiöse Stätten nebeneinander besuchen zu können, ist schon außergewöhnlich. Und das Tolle ist: es gibt gleich mehrere Aussichtspunkte, von denen du einen eindrucksvollen Blick auf diese faszinierende Stadt bekommst.
Von unserem Campingplatz aus ist es ein Spaziergang von ca. 2 km zum ersten lohnenswerten Stopp: die Puenta de San Martín. Hier gehst du auch durch eines der historischen und beeindruckenden Stadttore. Die Brücke führt über den wild-mäandrierenden Rio Tajo, an dessen Steilufer sich Toledo emporhebt. Ein Spaziergang entlang der historischen religiösen Stätten geht z.B. von hier aus hoch zum Monasterio de San Juan de los Reyes, das als wichtigstes Bauwerk der spanischen elisabethanischen Gotik gilt. Nur 1 Gehminute entfernt liegt auf der anderen Straßenseite die älteste Synagoge Europas, die Santa Maria Blanca. Durch das Gassengewirr geht es weiter zur Kathedrale von Toledo, und schließlich zur Moschee Cristo de la Luz, das mit seinen 1000 Jahren das älteste Gebäude der Stadt darstellt. Auf dem Weg von der einen zur anderen Kultstätte verlierst du dich fast in dem Labyrinth aus engen Gassen und besonders beeindruckend sind die Häuser, die aus den alten hellbraunen kleinen Ziegelsteinen gebaut wurden. Sie geben der gesamten Altstadt dieses unverwechselbare, rustikale Antlitz und versetzen dich sofort um 1000 Jahre zurück. Und natürlich gibt es noch so viele weitere interessante Bauten, wie den Alcazar, die Synagoge El Transito oder das Museum El Greco. Es kommt eben darauf an, wieviel Zeit du dir für diese Stadt nehmen möchtest.

Tipp
Für deinen Besuch empfehlen wir dir das Tourismus-Armband. Für nur 12 € hast du damit freien, einmaligen Eintritt in 7 wichtige Sehenswürdigkeiten der Stadt:
- Iglesia de Santo Tomé mit
- El Grecos „El Entierro del Señor de Orgaz“
- Sinagoga Santa Maria la Blanca
- Iglesia del Salvador
Monasterio San Juan de los Reyes - Mezquita Cristo de la Luz
- Real Colegio de Doncellas Nobles
- Iglesia de los Jesuitas (San Ildefonso)
Besonders stimmungsvoll ist die Aussicht auf die Stadt bei Sonnenuntergang von der Puente San Martín aus, in dessen warmen Licht die Silhouetten der Türme, Zinnen und Kuppeln fast magisch eingetaucht werden.
Naturpark Tajo Alto
Alaska? Kanada? Von wegen: dies ist eine der ursprünglichsten und wildesten Flusslandschaften Europas, und das mitten auf der Iberischen Halbinsel!
Zwischen dem südöstlichen Teil von Guadalajara und dem nordöstlichen Teil von Cuenca gelegen, ist dieses Naturgebiet das ausgedehnteste zusammenhängende Netz von Schluchten und Canyons in Castilla-La Mancha. Der Oberlauf des Tajo weist die meisten typischen Merkmale des Iberischen Gebirges auf. Besonders prägend sind die von Wasserläufen in das Gestein gegrabenen Spuren wie Schluchten, Klammen und Terrassen sowie Felsformationen an Berghängen, die Klingen, Nadeln und Monolithen gleichen.
Der Naturpark umfasst neben dem Tajo eine Vielzahl von Nebenflüssen, insbesondere den Cabrillas, den Bullones, den Gallo, den Arandilla, den Salado, den Ablanquejo, den Hoceseca und den Tajuelo.
Die Vielfalt der Flora und Fauna ist in diesem Schutzgebiet spürbar und leibhaftig: seltene Greifvogelarten wie Steinadler, Gänsegeier, Uhu, Wanderfalke, wilder Lavendel, Thymian, und im Sommer die frischen, aromatischen Triebe des Wacholders lassen ihre betörenden Düfte durch die insektensummende Luft schwirren. Auf den Wanderwegen ist für alle Fitnesslevel etwas dabei.
Wir sind einen kleinen Teil des G 66 vom Parkplatz Puente de San Pedro in Richtung
Cascada de la Escaleruela gewandert. Eine leichte Wanderung ohne enorme Steigungen. Wir waren begeistert von der Stille, der Einsamkeit, der Fülle der Natur und der atemberaubend wilden Schluchtenlandschaft, die der Tajo hier geschaffen hat.
Von der Puente de San Pedro führt die schmale Straße weiter in Richtung Zaorejas. Hier, von der Anhöhe aus lohnt sich ein Stopp, um mit der grandiosen Aussicht die Dimension über das waldreiche, zerfurchte Kastgebiet zu erfassen. Über einige Steigungen und Neigungen und von daher spektakuläre Seitentäler führt die Straße schließlich über das Hochplateau nach Molina de Aragon.


Tipp
Das Interpretationszentrum des Parks befindet sich in Corduente (Guadalajara) und informiert umfassend über die Naturressourcen dieses Schutzgebiets sowie über die Organisation und Planung von Besuchen.
Darüber hinaus verfügt der Park über drei weitere Besucherzentren in Zaorejas, Orea und Checa, die an Wochenenden, Feiertagen und langen Wochenenden von Ostern bis Ende Oktober geöffnet sind.
Informiere dich vor deinem Besuch im Park über die Besuchsregeln. In den Sommermonaten Juli/ August sind bestimmte Straßenabschnitte naturschutzgemäß gesperrt. Es gilt natürlich das Drohnenflugverbot und weitere übliche Verbote eines Naturschutzgebietes. Weiterhin gibt es im Park kein Mobilfunknetz, d.h.: Wanderrouten vorher runterladen!
Molina de Aragon
Der Mirador de Molina de Aragón liegt knapp 2 km an der CM 210 vor der kleinen Stadt und bietet einen herrlichen Blick auf das majestätische Castillo de Molina de Aragón.
Die Aussicht auf die prächtige Festung macht neugierig und tatsächlich lohnt es sich, hier Halt zu machen. Der Stellplatz liegt günstig unterhalb der Burg und nahe des historischen, denkmalgeschützten Ortskerns. Von hier aus führen linker Hand kleine Treppen an den Häusern vorbei, die unterhalb der Burg am Hang „zu kleben“ scheinen, hoch in Richtung Burg.
Leider durchschneidet die Straße N 211 den Weg hoch zur Burg. Deshalb geht man ein kurzes Stück an der Straße weiter in östliche Richtung, liegt in der Kurve der Eingang zur Burg. Aber Vorsicht! Dies ist eine stark befahrene Straße, vor allem von LKW!
Molina de Aragón war schon früher eine Grenzstadt, stets von den beiden Königreichen Kastilien und Aragonien hart umkämpft. So wurde die imposante Burg im 12. und 13. Jahrhundert als wichtiger kastilischer Herrensitz des Señor de Molina mit doppeltem Bering und zahlreichen quadratischen Türmen, sowie dem fünfeckigen Aragón-Turm gebaut. In der Stadt sind die Straßenführung und die mittelalterlichen Viertel hinter einer eindrucksvollen Stadtmauer erhalten geblieben.
Die kleine Stadt wirkt an diesem Tag Mitte Mai etwas verlassen und verloren, doch verschiedene Feste, wie das Mittelalter-Fest auf der Burg, sowie Tagesreisende beleben die Atmosphäre im Sommer.
Es gibt weitere historische Gebäude, wie die Kirche San Martín (romanisch, 12. – 13. Jahrhundert), die Klosterkirche San Francisco (18. Jahrhundert, die auf der früheren Kirche Nuestra Señora de los Ángeles mit einem Turm im Renaissancestil (18. Jahrhundert) und klassizistischen Fassade (1816) errichtet wurde, und das Kloster Santa Clara im romanisch-gotischen Stil (1284).
Weitere Sehenswürdigkeiten sind die romanische Brücke über den Fluss Gallo, die zahlreichen Herrenpaläste aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sowie das Juden- und das Maurenviertel.
Durch Aragón an die Costa Brava
Wir beschließen, weiter auf der N 211 durch dieses unfassbar weite und gebirgige Landschaft Aragóns zu fahren und nehmen die Route südlich von Saragossa über Alcañiz und weiter auf der N 420 über Tarragona in Richtung Figueres. Dies ist für uns die bisher schönste und eindrucksvollste Strecke, seitdem wir unterwegs sind. Es sind die immensen Weiten, deren Horizont majestätische Gebirgsketten wie die des Ports de Beseit säumen, die Wiesen und Schafweiden, die sich über kleinräumige Felslandschaften wie den Hocino y Cascade del Bajazzo ziehen und Naturparke wie den Parque Natural de la Serra de Montsant, die uns den Atem rauben.
Schroffe Zackengipfel, Schluchten und immer wieder die freudige Spannung auf die Aussicht, nachdem sich der Camper die Serpentinen hochgeschraubt hat.
Und es hört nicht auf! Es ist definitiv eine Route, deren Landschaften wir nochmal genauer und separat erleben und entdecken möchten. Wie gut es tut, zu erfahren, dass hier noch so vieles liegt, und auch hier haben wir das Gefühl, dass die Landschaft uns entdeckt. Nicht umgekehrt. Sie berührt uns, und wir möchten Eintauchen in das, was hier ist.
Sowohl Alcañiz mit seiner über der Stadt thronenden Klosterburg Castillo de Alcañiz, als auch Tarragona als ehemalige römische Metropole lassen wir nach diesem reichhaltigen Erlebnis getrost links und rechts liegen. Diese Eindrücke möchten wir erstmal sacken lassen und finden mit der Sozietät Agrícola Siurana einen Platz, an dem wir genau das tun können.



Bio-Olivenöl auf Hochniveau: Societat Agrícola Siurana
Wenige Kilometer südöstlich von Figueres liegt auf einer Hochebene die Bio-Olivenfinca Sozietät Agrícola Siurana. Hier werden hochwertige Bio-Olivenöle hergestellt, die direkt im Hofladen erworben werden können. Auch regionale Produkte wie Wein, Käse, und Naturkosmetika auf Olivenölbasis werden im Laden verkauft. Es lohnt sich auf jeden Fall, eine Verkostung der verschiedenen Olivenöle zu machen, denn es ist sehr spannend, wie sehr sich die einzelnen Sorten unterscheiden.
Du stehst unter den Olivenbäumen auf grasbewachsenem Untergrund und staunst über das beeindruckende Bilderbuchpanorama: Zur einen Seite, nach Nordosten, blickst du auf die schneebedeckten Berge der Pyrenäen, zur anderen Seite, nach Südwesten, glitzert das Mittelmeer der Costa Brava am Cap de Creus. Dazwischen liegt die kleine Stadt Figueres, nur 12 km Fahrradkilometer von hier entfernt. Für Kunstfans ist das Teatro-Museo Dalí eine Augenweide und auch die historische Altstadt lädt zum Flanieren entlang mittelalterlicher Bauten ein.
Casa Salvador Dalí in Portlligat
Schon allein die Anreise über die Halbinsel und durch den Naturpark Cap de Creu ist aufregend: In Serpentinen geht es hoch auf den San Salvador Saverdera, der auf 670m über dem Meeresspiegel liegt, dann schlängelt sich die Straße hinunter nach Cadaqués. Ab hier wird es für größere Wohnmobile etwas eng. Da die Parksituation für Wohnmobile hier am Cap recht heikel und teilweise nicht eindeutig ist, empfehlen wir den Campingplatz Wecamp Cadaqués. Er hat einige Plätze mit Meerblick und ist nur 5 Gehminuten vom Dalí-Haus entfernt.
Das kleine Dorf Portlligat hat eine wunderschöne Bucht, und es ist völlig klar, dass sich Kunstschaffende hier inspirieren lassen können. Das Dalí-Haus liegt direkt an der Bucht, kleine Fischerboote schaukeln seelenruhig auf den sanften Wellen und wäre da nicht die touristische Anziehungskraft dieses besonderen Anwesens, so würde auch ich mich hierhin setzen und diesen malerischen Ort in Szene setzen wollen. Oder eben künstlerisch abstrahieren und surreal ausufernde Gebilde schaffen. Diese Kulisse heizte Dalí ´s Kreativität jedenfalls an und es ist beeindruckend, was für ein Kleinod er sich hier zusammen mit seiner Frau Gala geschaffen hat.
Von 1930-1982 haben Dalí und Gala hier gelebt. Während dieser Zeit bauten sie das Ensemble aus mehreren Fischerhütten, die sich wie ein organisches Labyrinth erkunden lassen. Es gibt das Museumshaus und den Garten zu besichtigen, wobei der illustre Garten mit seinen surrealen Skulpturen auch separat gebucht werden kann. Die Räumlichkeiten beinhalten die Bibliothek und die Privaträume, in denen unter anderem das noch intakte Atelier oder das Ankleidezimmer dafür sorgen, dass sowohl Dalí, als auch Gala als seine Muse, Freundin und Familie hier noch immer ihren außergewöhnlichen, exzentrischen Geist versprühen.
Nachdem Gala im Jahr 1982 starb, verließ der Künstler, Bildhauer und Schriftsteller das Anwesen abrupt und hinterließ dieses Juwel.
Charlotte liebt Geschichten. Besonders solche, die eine Landschaft erzählt. Als Geografin entdeckt sie die Natur- & Kulturgeschichte einer Region, als Naturpädagogin ist es ihre Leidenschaft, Menschen dafür zu begeistern, zu sensibilisieren und zu bilden. Viele Jahre in der Umwelt- & Erwachsenenbildung sowie bei einem Reiseveranstalter für Fachgruppen-Reisen haben ihre Neugierde auf Neues, Kurioses & Regionaltypisches geschürt.
