Reisen bewegt

Seit Januar 2026 leben wir in einem Fahrzeug. Klingt ungewöhnlich. Manchen sagen „mutig“, viele sagen „wär’ nichts für mich, aber zu euch passt es“, andere Denken sicherlich „unterwegs mit einer alten Dieselschleuder, na toll“.

Alles stimmt natürlich irgendwie. Mutig war es damals – vor 14 Jahren – ein Haus zu kaufen. Ohne Rücklagen und mit mittelgut bezahlten Jobs in befristeter Anstellung. Unser Plan war damals: Einfach mal machen. Es erschien uns sinnvoller monatlich einen Kredit abzuzahlen und damit immerhin in etwas langfristiges zu investieren, als Miete zu zahlen. Die Hausraten hätten wir noch mit 67 Jahren abgezahlt. Unklar, ob und welchen Job wir dann noch haben. Also, das war schon irgendwie mutig!

„Zu uns passt es!“, haben wir öfter gehört, als wir unseren Entschluss unser Haus zu verkaufen und ins Wohnmobil zu ziehen, kundtaten. Was fangen wir mit dieser Aussage an? Ist das ein Lob, eine versteckte Kritik, Neid, Unverständniss? Wahrscheinlich von allem etwas. Aber ja: Zu uns passt es! Wir machen es uns aber auch passend. Weil wir es in der Hand haben.

Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.

Die „alte Dieselschleuder“ kann man diskutieren. Beim CO₂-Fußabdruck, den wir alle im Leben hinterlassen, gibt es ja verschiedene Faktoren zu berücksichtigen.
Fakt ist: Wir brauchen etwas, was vor 25 Jahren hergestellt wurde, weiterhin auf. Eine lange Nutzungsdauer ist oft ökologisch sinnvoller. Das spart die CO₂-Emissionen der Neuproduktion. Die Herstellung eines neuen Elektroautos verursacht je nach Modell etwa 8–15 Tonnen CO₂, ein großer Teil davon entfällt auf Batterie und Fahrzeugproduktion. Diese Emissionen fallen bei unserem Fahrzeug heute nicht mehr an.
Beim Verbrauch wird es schwieriger: Unser alter Ducato verbraucht ungefähr 10–13 Liter Diesel auf 100 km. Das entspricht etwa 260–340 g CO₂ pro Kilometer allein durch den Kraftstoff. Ein modernes Elektroauto liegt – je nach Strommix – oft zwischen 40 und 120 g CO₂ pro Kilometer. Mit viel erneuerbarem Strom sogar noch darunter.
Wer also sehr viele Kilometer fährt, kann die höheren Emissionen der Herstellung eines Elektroautos im Laufe der Nutzung wieder ausgleichen.
Der entscheidene Unterschied: Wir leben im Wohnmobil. Damit ersetzt die „alte Schleuder „gleichzeitig: Ein Auto, eine Wohnung/ein Haus, Küche, Möbel, laufende Betriebskosten wie Heizung, Strom, etc.
Wir leben nun auf sehr kleiner Fläche, nehmen niemandem Wohnraum weg. Unseren Strom beziehen wir zu 90% aus Solarenergie. Nach und nach stellen wir alle Verbraucher von Gas aus Strom um. So verwenden wir, außer dem Diesel, keinen fossilen Brennstoff mehr.

Ja, stimmt, wir bewegen uns fort und tragen damit zum Vekehrsfluss und zur Überfüllung der Straßen bei. Das ist so. Dabei versuchen wir stets, so umsichtig und schonend wie möglich unterwegs zu sein:

  • unnötige Strecken vermeiden
  • nur Strecken nutzen, die auch für uns vorgesehen sind
  • anderen nicht im Weg stehen
  • offizielle Plätze nutzen und nicht „frei“ stehen
  • die Hauptstrecke nutzen und nicht den Routenvorschlägen der Umleitungen folgen

Reisen bewegt. Immer und überall. Es bewegt nicht nur das Fahrzeug, sondern natürlich auch unser Denken und Handeln. Wir leben auf dieser Welt, um ein Teil von ihr zu sein. Sich die Welt anzuschauen ist ein legitimes Lebensziel. Wir haben ja nur diesen einen Lauf, und der ist oft überraschend schnell zu Ende.
Menschen kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen, Veränderungen zu bewegen ist ein Privileg. Wir haben großes Glück (als Europäer, als Deutsche), mit diesem Privileg auf die Welt gekommen zu sein.
Deshalb gehen wir sorgsam damit um.

Im Februar 2023 habe ich den ersten Beitrag auf diesem Blog veröffentlicht. Uns hat damals der Slogan Unterwegs mit Keks gut gefallen. Hauptsächlich wegen des Reims. Und weil Kekse doch alle mögen.
Seitdem kommen wir immer wieder darüber ins Gespräch, ob unser Hund „Keks“ heißt, oder das Fahrzeug.
Seit wir nun Vollzeit im Wohnmobil unterwegs sind, erscheint uns der Slogan nicht mehr passig. Wir haben zwar weiterhin gerne Kekse bei unseren Wanderungen dabei, möchten aber nicht mehr darüber sprechen, ob wir unser Fahrzeug personifizieren oder wo unser Vierbeiner gerade ist.

Unsere Reise bewegt vieles in und mit uns. Wir bewegen uns.

So sind wir zukünftig mit einem neuen Motto unterwegs:
Aus Unterwegs mit Keks wird Reisen bewegt.

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